LIBANON

EINE APP SCHAFFT BEWUSSTSEIN FÜR FRAUENRECHTE

Libanesische Frauen werden in vielen Alltagsbereichen diskriminiert. Dies war schon vor Covid-19 der Fall. Diskriminierung findet sich bereits in Gesetzestexten, aber auch im wirtschaftlichen Alltag und in den sozialen und politischen Gepflogenheiten des Landes. Anstrengungen zum Abbau der Diskriminierung durch NGOs, internationale Institutionen und staatliche Stellen konzentrieren sich in der Regel auf Frauen in städtischen Gebieten – insbesondere in Beirut oder in Flüchtlingsgemeinschaften. Frauen in den ländlichen Städten des Libanon leben jedoch häufig unter dem Joch des Patriarchats und sind sich ihrer eigenen Rechte gar nicht bewusst.

Gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation LOUDER hat die Friedrich-Naumann-Stiftung eine App entwickelt, um das Bewusstsein libanesischer Frauen in ländlichen Gebieten für die eigenen Menschenrechte zu schärfen. Die App soll es Frauen ermöglichen, sich über ihre Rechte zu informieren und miteinander in Kontakt zu treten.

In einem Interview beschreibt uns Khouloud Khatib, die Präsidentin von LOUDER, den Alltag von Frauen auf dem Land.

Wie ist die Situation von Frauen im Libanon?

Der Libanon hat mehrere internationale Menschenrechtsverträge ratifiziert, die die Rechte der Frauen fördern. Die libanesischen Gesetze lassen jedoch nach wie vor Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen ausdrücklich zu. So werden Frauenrechte durch Personenstandsgesetze verletzt. In allen Familienfragen gibt es keine Gleichberechtigung von Frauen, sei es in der Ehe, bei der Scheidung und im Sorgerecht. Das Staatsangehörigkeitsgesetz verhindert, dass libanesische Frauen, ihre Staatsangehörigkeit an ihre Kinder oder ihren ausländischen Ehemann weitergeben können. Ein neues Gesetz, das 2014 zur Verhütung häuslicher Gewalt verabschiedet wurde, räumt Frauen nicht ein, Rechtsmittel einzulegen. Dies alles hängt auch damit zusammen, dass Frauen bei der politischen Partizipation unterrepräsentiert und damit in wichtigen Entscheidungsprozessen außen vor sind.

Warum ist es wichtig, die Rechte von Frauen insbesondere in ländlichen Gebieten anzugehen?

Frauen in ländlichen Gebieten sind im Vergleich zu den in den Städten lebenden Frauen stark benachteiligt. Auf dem Land stehen Frauen bei der Durchsetzung ihrer Menschenrechte vor extremen Herausforderungen. Sie haben bereits Schwierigkeiten, Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen zu erhalten. Frauen und Mädchen werden auf dem Land häufig von Führungs- und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und ihnen wird der Zugang zu Justiz und Polizei verweigert. Zugleich sind sie der Gefahr von erhöhter Gewalt ausgesetzt.

Khouloud Khatib, Präsidentin von LOUDER

Was versuchen Sie mit dem Projekt zu erreichen?

Es soll sicherstellen, dass Frauen und Mädchen sich ihrer grundlegenden Menschenrechte, die in internationalen Konventionen und nationalen Gesetzen verankert sind, bewusst werden. Von enormer Bedeutung ist die pure Information und Sensibilisierung einer auf Rechten basierenden Bildung – sowohl für die Frauen, aber auch für die Männer in einer Gemeinschaft. Nur gemeinsamen können die Denkweisen bisheriger Praktiken verändert werden, die die Rolle der Frau einschränken. Nur wenn Frauen ihre Rechte kennen und einfordern, können sie ihren Lebensunterhalt und ihr eigenes Wohlergehen verbessern

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit