POLEN

EINE FRAGE DER SEXUALKUNDE?

„Für viele illiberale und konservative Regierungen gelten die Themen Antidiskriminierung, ebenso wie das Verbot von Hassrede und die Sexualerziehung als ideologische Feinde, weil sie kritisches Denken fördern und eine freie und faktenbasierte Entscheidungsfindung ermöglichen. Stattdessen bevorzugen solche Regierungen Erziehung auf der Grundlage konservativer, oft religiöser Werte und ersetzen Wissen durch Ideologie.“

Mit diesen Worten erklärt Milosz Hodun, Präsident vom Projekt:Polska, die Relevanz des Ed Net-Projekts, das vom Europäischen Dialogprogramm der FNF unterstützt wird. In Ländern wie Polen wurden die Themen Antidiskriminierung und Hassrede aus dem Lehrplan der Schulen gestrichen. Sexualerziehung wird fälschlicherweise gar als eine Bedrohung für Kinder dargestellt

Sexualerziehung als erbitterter Feind der Regierung

Unter der Führung der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit versuchen Konservative in Polen seit langem, umfassende Sexualerziehung und die Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter als Angriffe auf „traditionelle" Familienwerte darzustellen. Sie benutzen gezielte Anschuldigungen, um Gruppen zu diffamieren, die für die Rechte von Frauen und LGBTQI kämpfen. Im vergangenen Jahr unterstützten sie den sogenannten „Stopp-Pädophilie"-Gesetzentwurf, der nach Ansicht vieler Experten sogar diejenigen kriminalisieren und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestrafen könnte, die Kinder in Sexualkunde unterrichten.

Aufgrund dieser schwierigen politischen Umstände hängt die wichtige Aufgabe, Sexualkunde anzubieten, von der Zivilgesellschaft ab, die darauf aber nicht vorbereitet ist. Das Ed Net-Projekt unterstützt Vertreter der polnischen Zivilgesellschaft, Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die für die Durchführung von entsprechendem Unterricht und fachlichen Schulungen erforderlich sind.

Ed Net: Befähigung der Zivilgesellschaft

Um ein besseres Verständnis für den regionalen Kontext zu erhalten, führte eine Gruppe polnischer Ed Net-Experten einen Studienbesuch in den baltischen Ländern durch. Sie trafen sich mit Experten, die sich mit Hassrede, Diskriminierung und wertebasierter Sexualerziehung beschäftigen, um sich über deren Erfahrungen zu informieren und bewährte Praktiken auszutauschen.

Ziel war es auch zu erlernen, wie Mitglieder liberaler Nichtregierungsorganisationen aus ganz Polen breitflächig geschult werden können, um Unterricht in Antidiskriminierungsarbeit und sexueller Aufklärung selbst durchzuführen. Im nächsten Schritt planen Projekt:Polska und die Ed Net-Experten die Veröffentlichung von informativen Bildungsmaterialien für all diejenigen, die Elemente der Sexualerziehung in ihre tägliche Arbeit mit jungen Menschen integrieren wollen.

Bildung ist noch immer das beste Instrument zur Bekämpfung von Diskriminierung und zum Aufbau integrativer Gesellschaften. Das Ed Net-Projekt unterstreicht ausdrücklich die Bedeutung einer umfassenden Sexualerziehung. Sie ist unerlässlich, um jungen Menschen zu helfen, wichtige Themen beispielsweise zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr, der Verhinderung von sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, der Reduzierung von ungewollten Schwangerschaften und der Müttersterblichkeit zu erörtern und den Menschen dabei zu helfen, ein gesundes, sicheres und produktives Leben zu führen.

Von Links nach Rechts: Michael Sawicki, Milosz Hodun, Michal Tecza, Gabriela Juszczuk

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit